Warum sind Berufsverbände so wichtig?

von Regina Seelos (Kommentare: 0)

Gerade für allein arbeitende Freiberufler ist die Mitgliedschaft in einem Berufsverband meiner Meinung nach sehr wichtig. Das hat vielerlei Gründe: Wenn man als Angestellter mal nicht gleich weiter weiß, fragt man mal kurz die Kollegen oder den Chef. Wen kann ich fragen? Da sieht es erstmal schwarz aus - große Leere. Allein, keine Kollegen, keine Unterstützung bei Fragen oder Problemen - das muss nicht sein. Wenn man nicht nur dem Zufall vertrauen möchte, kann man Kollegen finden, indem man einem Berufsverband beitritt. Ich selbst bin seit über 10 Jahren Mitglied im BDÜ - dem Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. - und habe wirklich sehr stark davon profitiert. Ich habe sehr viele Kollegen kennen gelernt, mit denen ich mich auf den Stammtischen austauschen kann, und dabei immer wieder feststelle: Ich bin nicht allein mit meinen Fragen oder kleinen Problemchen, ganz gleich welcher Art. Aber es gibt neben der Geselligkeit auch ganz handfeste berufliche Vorteile, vom Netzwerken über Gruppenversicherungen bis zur Weiterbildung und auch politischer Lobbyarbeit.

Netzwerken - früher abfällig "Vitamin B wie Beziehungen" genannt

Klingt nach Korruption und Bestechung - ist es aber nicht. Verbindungen sind wichtig, besonders für freiberuflich arbeitende Menschen, die keine Kollegen direkt nebenan haben bzw. eine Organisationsstruktur, die vieles regelt und weitere Ressourcen bietet.

Als freiberuflicher Übersetzer arbeitet man in der Regel mit nur wenigen Sprachpaaren. Ist auch logisch: Alleine schon eine oder zwei Fremdsprachen so zu beherrschen, dass man als Übersetzer davon leben kann, ist schwierig. Es wird also immer Sprachkombinationen geben, die man nicht anbieten kann. Hier ist ein großes Kollegennetzwerk von Nutzen, um auch größere Aufträge in der gleichen Sprachkombination oder mit mehreren Sprachen abwickeln zu können. Viele Kunden sind dankbar, wenn sie nicht selbst auf die Suche gehen und alles koordinieren müssen. Zudem ist das Übersetzen auch eine Vertrauensfrage und das Vertrauen wird deutlich gefördert, wenn man sich persönlich kennt.

Oder es gibt technische Probleme mit einer Software, vom Translation Memory bis zur OCR-Erkennung. Manchmal sind es nur die kleinen Dinge, die einen sehr behindern können, wenn keiner da ist, der einem mal kurz die Hand reichen kann.

Das Netzwerken ist in diesem Fall ein ausgezeichneter Ersatz für die fehlende Organisationsstruktur mit ihren zahlreichen Ressourcen. Gemeinsam ist man einfach stärker.

Fortbildungsmöglichkeiten

Alle Berufsverbände bieten ihren Mitgliedern vergünstigte Fortbildungsprogramme an, die aber natürlich auch externen Interessenten offen stehen. Die angebotenen Seminar reichen von fachlichen Themen, z. B. Vertragsübersetzen, Englisches Recht, Technikthemen, Medizin, über Marketing und Kalkulation bis zu den ebenfalls sehr wichtigen Softskills wie Stressbewältigung, Selbstorganisation, Motivation, und vieles mehr. Diese Seminare sind zum Teil wesentlich günstiger als das, was auf dem freien Markt angeboten wird, und zudem natürlich speziell auf die Bedürfnisse von Sprachmittlern zugeschnitten.
Und die Seminare sind natürlich auch wieder ausgezeichnet dazu geeignet, Kollegen kennen zu lernen.

Fazit: Ich selbst habe sowohl persönlich wie auch in meiner beruflichen Entwicklung sehr stark von meiner Mitgliedschaft im BDÜ profitiert und es noch keinen Tag bereut.

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