Neulich beim Standesamt ...

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Dolmetschen einer standesamtlichen Trauung

Trauungen zu dolmetschen gehört wahrscheinlich zu den schönsten Anlässen, die es beim Dolmetschen im Gemeinwesen gibt. Alle sind glücklich und die Stimmung bestens. Und das soll auch so bleiben. Deshalb ist es mir immer wichtig, dass ich die Traurede vorab von den Standesbeamt:innen bekomme. So kann ich diese mit derselben Sorgfalt übersetzen, wie sie verfasst wurde, kann Zitate recherchieren, mir gute Entsprechungen für Wortspiele einfallen lassen und kreativ sein, damit diese Rede dem festlichen Anlass gerecht wird.

Leider ist dafür oft Überzeugungsarbeit im Standesamt notwendig. Viele Standesbeamt:innen - wie ich auch immer wieder von Kolleg:innen höre - wollen ihre Traureden aus Urheberrechtsgründen nicht "herausrücken". Dabei sind beeidigte Dolmetscher:innen ohnehin schon gesetzlich im Rahmen der Beeidung zur Vertraulichkeit verpflichtet. Und wer Mitglied im Berufsverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) ist, ist dazu auch durch die Berufs- und Ehrenordnung verpflichtet. Es besteht also keine Gefahr, dass etwas weitergegeben wird. Zudem können Dolmetscher:innen mit der Rede auch nichts anfangen, weil sie selbst keine Eheschließungen durchführen dürfen. Die Sorge ist also völlig unbegründet. Deshalb die Bitte an alle Standesbeamt:innen: Unterstützten Sie Ihre Dolmetscher:innen und geben Sie die Traureden zur Vorbereitung heraus. Die Brautleute werden es Ihnen danken.

In der Regel erhalte ich nach etwas Aufklärung die Traurede und kann sie gut vorbereiten, wie auch bei der Trauung erst vor Kurzem. Denn auch wenn die Standesbeamtin meinte, nur ganz einfache Worte verwendet zu haben, waren eben doch Wortspiele, sehr lange Sätze oder eben Zitate und/oder Teile von Gedichten enthalten, die schon etwas mehr Recherche oder Kreativität erfordern, wenn das Ergebnis so stilvoll sein soll, wie die im Deutschen verfasste Rede. Diese wird ja in der Regel auch nicht hopplahopp dahingeschrieben, sondern sorgfältig formuliert und mehrmals umgeschrieben, bis es passt. Ich freue mich immer sehr, wenn ich sehe, wie gerührt die ausländischen Ehepartner sind, wenn sie die Traurede schön formuliert in ihrer eigenen Sprache hören. Da geht einem als Dolmetscherin einfach das Herz auf! Oft sind die ausländischen Ehepartner mit wesentlich weniger oder gar keinen Angehörigen da. Dann kann die eigene Sprache bei so einem wichtigen Schritt im Leben die nötige Sicherheit und Vertrautheit vermitteln. Dazu ein bisschen beitragen zu können, erfüllt mich immer mit Freude.

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